02.02.2012

Gegenseitig

Was kann man einander gegenseitig tun?
Gutes oder schlechtes?

Ich habe ein offenes Ohr für meine Mitmenschen. Ob ich sie jetzt gut kenne oder meinen Weg kurz streifen.
Manchmal begegne ich einem Menschen, der jemand braucht, der ihm einfach mal zuhört. Niemand der ihm Ratschläge gibt, nur zu hören. Wir verabschieden uns und ich weiss nicht mal seinen Namen. Ein einsamer Namenloser.
Doch der Name ist mir gar nicht wichtig. Es ist das Vertrauen, das mir dieser Mensch in dieser Zeit gegeben hat. Mir etwas aus seinem Leben erzählt hat, mich für eine gewisse Zeit in sein Leben gelassen hat. Ich konnte ihm helfen, in dem ich ihm einfach nur zugehört habe, ihm Aufmerksamkeit und meine Zeit geschenkt habe.
Vielleicht ihm gerade dadurch das Leben gerettet. Wer weiss, was passiert wäre, wenn ich mir diese Zeit nicht genommen hätte?!
So viele Menschen sind trotz vielen "Freunden" einsam. Niemand nimmt sich die Zeit richtig zu zuhören. Nur oberflächlich zu hören. Einen Ratschlag gibt und dann wieder davonrauscht. Oder nur mit den eigenen Problemen beschäftigt.

Mir hilft es, kurz stehen zu bleiben, den Sorgen, Ängsten und Freuden anderer Menschen teilzunehmen. Ja teilnehmen, nicht nur nebenbei zustehen. Mit dem Menschen mitleiden, mitfreunden, mich in seine Gefühle einzufühlen.
Durch das teilnehmen am Leben des anderen, kann ich danach oft meine Sorgen in einem anderen Winkel sehen. Ich habe Abstand bekommen von meinen Sorgen, Leiden usw.

Ich sage überhaupt nicht, dass dies leicht ist. Die Gefahr, dass die Sorgen des anderen zu meinen Sorgen werden ist sehr gross! Es braucht viel Übung. Sich nicht einsaugen zu lassen von den Gefühlen des anderen.
Lernen achtsam zu bleiben und zu merken, wenn es mir zu viel wird. Stopp zu sagen. "Stopp, ich brauche jetzt kurz eine Pause, können wir in 15 Minuten wieder telefonieren?" oder "Du können wir mal kurz über etwas anderes reden?"
Ich denke, wenn ich es richtig formuliere, wird mein Gegenüber nicht böse sein. Denn wir sind alles Menschen und es wird jedem Mal zuviel! "Verschnaufpausen" braucht jeder Mensch.

Auch kleine Gesten, wie eine Karte, eine lustige E-Mail, ein SMS... es braucht nicht viel, damit sich ein Mitmensch geliebt fühlt. Das Wissen, es denkt jemand an mich, tut jedem gut!

So werde ich versuchen weiter mein Bestes zu geben meine Mitmenschen nicht zu vergessen und mich nicht in meine Welt zu verkriechen, sondern mit offenen Ohren und Augen durch die Welt gehen.